Die Insel der Zeit

 
Auf der Insel Menorca gibt es dutzende megalithische Beobachtungsstationen. Sonnen- und Sternenuhren sind auf der Insel allgegenwärtig.
 
Welche Indizien sprechen überhaupt für eine prähistorische Zeitmessung auf dieser Insel? Hätte es nicht jede andere Insel auch getan?
 
Ich denke nein, denn gerade Menorca ist aus technischer Sicht genau die richtige Insel.
 
Heutzutage nutzen wir den Längengrad, also eine gedachte Linie vom Nord- bis Südpol, die auf einem gedachten Gitternetz festgelegt ist. Dieser Längengrad läuft durch den bekannten Ort Greenwich in England. Jeden Tag wird mit diesem Längengrad die Tageszeit, weil die Erde sich dreht,  sozusagen neu gestartet. Dieser besondere Längengrad wird Meridian genannt.
Die Festlegung eines Meridians ist nicht von einem bestimmten Ort auf der Erdkugel abhängig, sondern er kann frei festgelegt werden.
 
Noch vor ein paar hundert Jahren wurde der Meridian auf der westlichsten Insel der damals bekannten Welt, nämlich der Kanarischen Insel El Hierro festgelegt. Die Insel El Hierro hieß früher El Ferro. Der Meridian von El Ferro war über viele Jahrhunderte für die westliche Welt gültig.
 
Auch die Griechen hatten schon sehr früh (um 100 v. Chr.) einen eigenen Meridian.
Doch welcher Meridian galt 1000 Jahre vor der griechischen Kultur? Das ist leider nicht bekannt. Jedoch gibt es auf der Insel Menorca die Stadt Ferreries, die genau auf dem heutigen 40.00 Breitengrad und dem 4.00 Längengrad liegt und mit ihrem Namen an die Insel El Ferro erinnert.
Bei mir wird der Eindruck erweckt, dass die Engländer bei der Festlegung des neuen Meridian durch Greenwich, den ursprünglichen Meridian der Stadt Ferreries von der Insel Menorca übernommen haben. Der neue Meridian brauchte dabei lediglich um 4 Längengrade nach Westen verschoben werden. Der Vorteil ist offensichtlich, alle vorhandenen Karten hätten z.B. auf Greenwich sehr leicht angepasst werden können.
Das Gitternetz auf der Erdkugel ist einer Kugelform angepasst. Um alles auf einer flachen Karte zeichnen zu können, sind sehr viele Umrechnungen und Anpassungen notwendig. Hier hat sich ein Gerhard Krämer (geb. 1512) verdient gemacht. Sein Name wurde latinisiert zum Namen Gerhard Mercator. Die sog. Mercator-Projektion geht auf ihn zurück. Es ist außerdem sehr interessant, dass die Nachbarstadt von Ferreries auf der Insel Menorca den Namen Mercadal trägt.
 
Die Position der Insel Menorca auf der Erdkugel und die Form der Insel, sowie die vorherrschenden Temperaturen, schaffen ideale Voraussetzungen. Genaue Messungen des Sonnenstandes werden mit der Akustik in Übereinstimmung gebracht. Wie das funktioniert, möchte ich Ihnen hier erklären:
 
Die Insel Menorca liegt auf dem 40. Breitengrad. Unsere Erde dreht sich in Richtung Osten und zwar einmal am Tag um ihre eigene Achse. Am Äquator hat unsere Erde den größten Erdumfang von 40.000 km. Für den 40. Breitengrad brauchen wir nur 40.000 km x cos(40) auszurechnen. Wir erhalten für den Erdumfang an der Stelle von Menorca den Wert von 30642 km.
Ein Tag ist mit 24 Stunden festgelegt, jede Stunde hat 60 Minuten und jede Minute hat 60 Sekunden. Ein Tag hat also 86400 Sekunden (24 Std. x 60 min x 60 s). Wenn wir jetzt die 30642 Km durch die 86400 Sekunden teilen, erhalten wir für eine Sekunde einen zurückgelegten Weg von 0,354 km. Das entspricht pro Sekunde einem Weg von 354 m. Die Erde dreht sich auf der Insel Menorca also mit einer Geschwindigkeit von 354 m/s in Richtung Osten.
Die Temperaturen auf Menorca liegen um warme 30°C. In Bodennähe, da wo der Schall verläuft, ist im Durchschnitt mit einer ca. 10° höheren Temperatur zu rechnen. Die Schallgeschwindigkeit bei diesen Temperaturen beträgt ebenfalls 354 m/s.
Für eine Sonnenuhr bedeutet dieser Umstand, dass die angezeigte Zeit mit der Schallgeschwindigkeit synchron läuft. Stellen Sie sich nun zwei Sonnenuhren ein paar Kilometer entfernt von einander vor. Bei einem Ereignis (z.B. Mond- oder Sonnenfinsternis) wird von der ersten Sonnenuhr eine Schallquelle als Auslöser gestartet. Trifft der Schall die zweite Sonnenuhr, wird dort das gleiche Ereignis sichtbar. Beide Uhren laufen synchron, jedoch zeitversetzt. Das bedeutet, das der Weg, die Zeit und der Winkel zwischen den Sonnenuhren exakt bestimmt werden kann. Hochpräzise Messungen (Astronomie, Zeit- und Wegmessungen) sind ab sofort mit diesen Werten möglich.
Erst zwei Messstationen erlauben eine einfachere Entfernungsmessung. Als Beispiel versuchen Sie bitte mit nur einem Auge eine Entfernung einzuschätzen, indem Sie das andere Auge zuhalten.
 
Einen kleinen Hinweis, den ich auch noch als Indiz für eine Zeitmessung auf dieser Insel in Betracht ziehe, ist der Umstand, dass das Wort Menorca (engl. Minorca) ähnlich klingt wie das Wort Minute. Sie werden noch sehen, wie wichtig der Begriff Minute in den folgenden Beiträgen wird.
 
Als ultimativen Beweis einer Winkel- und Zeitmessung aus prähistorischer Zeit gilt folgender Umstand:
Alle megalithischen Steinsetzungen auf der Insel sind exakt nach Süden ausgerichtet. In der räumlichen Konstruktion einzelner Anlagen sind alle Steinsetzungen mit einer Schrittweite von 30 Grad versetzt angeordnet.  Um etwas in einem Winkel von exakt 30 Grad versetzt aufzustellen, muss ein Vollkreis von 360 Grad bekannt sein.
 
Es ist sehr interessant, dass mindestens 1000 Jahre vor der griechischen Kultur auf dieser Insel die Grundlagen der Mathematik und der Astronomie geschaffen wurden.
 
 
(Bitte beachten Sie das Copyright des Autors)